Living History und Reenactment? 
Re-enactment und Living History? Was ist das?

Die Konzepte von Reenactment und Living History umfassen die historisch orientierte Darstellung von seinerzeit real existierender Kleidung, Geräten und Lebensweisen. Anhand von Erkenntnissen und Quellenmaterial wird versucht, ein realitätsnahes Bild der Lebensweise und Ausstattung einer bestimmten historischen Personengruppe nachzustellen. Weiters wird die Nachstellung von historischen Begebenheiten, etwa einer militärischen Auseinandersetzung, als Reenactment bezeichnet. Während die Grenzen im Angelsächsischen oftmals fließend sind, wird in Zentraleuropa häufig genauer getrennt.

Die Idee

Geschichte erlebbar machen. Für viele Menschen ist dies ein Traum. Einmal selbst zu fühlen, wie sich Menschen aus einem anderen Zeitalter wohl gefühlt haben mögen, Teile des damaligen Lebens nachzuempfinden und damit seine eigenen Erfahrungen zu machen, fasziniert viele Leute jeden Geschlechtes. Auch von der Wissenschaft, seien es nun Historiker, Archäologen oder Kulturwissenschaftler, werden die Versuche, ein immer genaueres Abbild damaliger Kleidung und Gerätschaften sowie deren praktischer Anwendung zu schaffen, mit Interesse beobachtet.

Wie funktioniert das Konzept nun genau?

Der erste Schritt ist meistens, daß der zukünftige Darsteller geschichtliches Interesse an einer bestimmten, frei ausgewählten Epoche entwickelt. Dies kann die römische Kaiserzeit, der amerikanische Bürgerkrieg oder, wie im Fall von Furor Normannicus, das Hochmittelalter sein.
Mit dem Vorsatz, möglichst viel über diese Zeit zu erfahren, sammelt man nun Wissen an, indem man Bücher liest, Museen besucht und/oder Originalquellen (etwa Statuen an Kirchen, Abbildungen in Manuskripten etc.) auswertet. Anhand der gesammelten Informationen erwählt man nun eine Person, die man gerne darstellen möchte. Dabei ist es wichtig, welchen Status die Person hat, welche Kleidung sie demnach trägt und wie sie ausgerüstet ist. In meist mühevoller Kleinarbeit wird nun die Ausstattung rekonstruiert.

Wenn alles stimmt, schafft man bis zu einem bestimmten Grad einen Spiegel der Vergangenheit. Eine Darstellung, wie es hätte gewesen sein können, wenn man zu dieser Zeit gelebt hätte. Der Reiz an diesem Hobby liegt sicherlich vor allem darin, einen Hauch der Geschichte einzuatmen. Ein Gefühl, das einen nur schwer losläßt.

Weshalb mittelalterliche (Charakter) Namen?

Um der Darstellung historischen Lebens auf historischen Veranstaltungen mehr Lebendigkeit zu verleihen, können sich die Akteure für die Dauer einer Darstellung in die Rolle einer zeitgenössischen Person versetzen.
Das bedeutet, daß man eine fiktive, aber dem historischen Hintergrund angemessene Persönlichkeit mit entsprechendem Namen und seiner gesellschaftlichen Rolle darstellt. Diese Figur dient auf zwei Arten als Hilfsmittel:
Gegenüber Anderen kann man die Kleidung und Ausrüstung, die man trägt, anschaulich in den geschichtlichen Zusammenhang setzen, indem man sie mit einer Rolle oder Aufgabe verbindet. So können auch soziale Zusammenhänge sichtbar gemacht werden: Diener und Knechte, die für einen Herrn arbeiten; militärische Anführer und Gefolgsleute; Ämter und Aufgaben.
Für den Darsteller selbst ist die Rolle hilfreich, um die passende Ausrüstung zu rekonstruieren. Welche Kleidung war realistisch? In welchem sozialen Umfeld hätte er sich bewegt, über welche Ausrüstung verfügt? Was sagen andere Quellen über das Leben und den Stand eines solchen Menschen aus? Mit diesen Hilfen kann die Darstellung mit allen dazugehörigen Gegenständen immer weiter verfeinert werden.
Diese Methode ist ein Schlüssel in der "Lebendigen Geschichte" und wird auch in der Geschichtspädagogik zur Vermittlung von Lerninhalten und zur besseren Identifikation mit der Geschichte angewandt. Selbstverständlich bleibt aber die Grenze zwischen dem jeweiligen Aktiven als Person und seiner Rolle, der Aktive hält sich nicht für eine Person, sondern er stellt Person dar.


Frühmittelalter


Hochmittelalter


Spätmittelalter
Admin
R. Forstner-Billau
Wien
www.forstner-billau.at